Kaufen oder leerverkaufen: Long- und Short-Positionen
- Long sein heißt kaufen, um teurer zu verkaufen; short sein heißt verkaufen, um billiger zurückzukaufen.
- Die Ergebnisrechnung ist symmetrisch: Jeder Pip oder Punkt in deine Richtung bringt Geld, jeder Pip gegen dich kostet genauso viel.
- Eine Short-Position ist nicht von Natur aus riskanter, aber ohne Stop Loss hat ihr möglicher Verlust theoretisch keine Obergrenze.
Für viele Einsteiger heißt an der Börse Geld verdienen, etwas zu kaufen, das steigt. Ein Trader kann aber auch an fallenden Kursen verdienen. Diese Möglichkeit, in beide Richtungen zu handeln, ist einer der großen Unterschiede zwischen Trading und klassischem Investieren.
Long: kaufen, um teurer zu verkaufen
Eine Long-Position einzugehen, also long zu sein, heißt, einen Wert in der Erwartung steigender Kurse zu kaufen. Du eröffnest die Position mit einem Kauf und schließt sie mit einem Verkauf. Dein Gewinn ist die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufkurs, multipliziert mit der Positionsgröße.
- Eröffnung
- Kauf von 0,50 Lot bei 1,0850
- Schließung
- Verkauf bei 1,0910
- Bewegung
- +60 Pips
- Pip-Wert für 0,50 Lot
- 5 $
- Ergebnis
- 60 × 5 $ = +300 $
Wäre der Kurs vor dem Schließen auf 1,0820 gefallen, hätte der Verlust 30 Pips × 5 $ = −150 $ betragen.
Short: erst verkaufen, dann zurückkaufen
Eine Short-Position einzugehen, also short zu sein, heißt, einen Wert zu verkaufen, den du nicht besitzt, in der Hoffnung, ihn später günstiger zurückzukaufen. Die Reihenfolge ist umgekehrt: Du eröffnest mit einem Verkauf und schließt mit einem Kauf. Man spricht auch von Leerverkauf.
Im Forex ist das ganz natürlich, denn jedes Paar stellt zwei Währungen gegenüber. GBP/USD zu verkaufen heißt, Pfund zu verkaufen und Dollar zu kaufen: Du setzt auf ein schwächeres Pfund gegenüber dem Dollar. Bei CFDs und Futures ist ein Leerverkauf genauso ein Klick wie ein Kauf.
- Eröffnung
- Verkauf von 0,50 Lot bei 1,2700
- Schließung
- Rückkauf bei 1,2640
- Bewegung
- 60 Pips Rückgang, in deine Richtung
- Pip-Wert für 0,50 Lot
- 5 $
- Ergebnis
- 60 × 5 $ = +300 $
Wäre das Pfund auf 1,2730 gestiegen, hätte dich der Rückkauf 30 Pips mehr gekostet als dein Verkauf, also 30 × 5 $ = −150 $.
Die Ergebnisrechnung in beide Richtungen
Die beiden Formeln sind Spiegelbilder voneinander. Bei einer Long-Position gewinnst du, wenn der Ausstiegskurs über dem Einstiegskurs liegt. Bei einer Short-Position gewinnst du, wenn er darunter liegt.
- Eröffnung
- Verkauf von 2 Kontrakten bei 24.000 Punkten
- Punktwert
- 1 € pro Kontrakt
- Schließung
- Rückkauf bei 23.850 Punkten
- Rechnung
- (24.000 − 23.850) × 2 × 1 €
- Ergebnis
- +300 €
Ein Rückkauf bei 24.080 Punkten hätte (24.000 − 24.080) × 2 × 1 € = −160 € ergeben.
Vergiss den Spread nicht. Eine Long-Position wird zum Ask eröffnet und zum Bid geschlossen. Eine Short-Position wird zum Bid eröffnet und zum Ask geschlossen. In beiden Fällen zahlst du die Differenz zwischen den beiden Preisen einmal pro Hin- und Rückweg.
Ein vollständiges Beispiel mit Spread. EUR/USD zeigt 1,0849 / 1,0850. Kaufst du, steigst du bei 1,0850 ein, und deine Position liegt sofort bei −1 Pip, weil du nur zu 1,0849 wieder verkaufen könntest. Verkaufst du, steigst du bei 1,0849 ein und musst zum Schließen zum Ask zurückkaufen, der in diesem Moment bei 1,0850 liegt. In beide Richtungen startest du mit einem kleinen Nachteil in Höhe des Spreads.
Die Besonderheiten des Leerverkaufs
Bei einer ohne Hebel gekauften Aktie ist der maximale Verlust bekannt: Der Kurs kann nicht unter null fallen, du kannst also nur deinen Einsatz verlieren. Bei einer Short-Position gibt es theoretisch keine Obergrenze, denn ein Kurs kann unbegrenzt steigen. Deshalb ist der Stop Loss short noch unverzichtbarer.
- Finanzierungskosten: Eine über Nacht gehaltene Short-Position trägt wie eine Long-Position Swap-Kosten oder -Gutschriften. Ihr Vorzeichen hängt von der Zinsdifferenz der beiden Währungen oder vom Referenzzins des Werts ab.
- Dividenden: Bist du am Dividendenstichtag short in einer Aktie oder einem Index per CFD, wird der Betrag in der Regel deinem Konto belastet.
- Wertpapierleihe: Am Kassamarkt für Aktien setzt ein Leerverkauf voraus, dass die Papiere geliehen werden. Das kostet Geld und kann von den Behörden in Krisenzeiten eingeschränkt werden.
- Abrupte Aufwärtsbewegungen: Müssen viele Leerverkäufer gleichzeitig zurückkaufen, kann der Kurs sehr schnell nach oben schießen. Man spricht von einem Short Squeeze.
Warum du beide Richtungen beherrschen solltest
Ein Trader, der nur kaufen kann, ist in allen Abwärtsphasen untätig oder gegen den Trend positioniert. Wer leerverkaufen kann, verdoppelt die Zahl seiner Gelegenheiten, vorausgesetzt, er wendet in beide Richtungen dieselben Risikoregeln an.
Außerdem kannst du so ein bestehendes Exposure absichern. Ein Anleger mit einem Depot europäischer Aktien kann zum Beispiel vorübergehend einen Index-CFD verkaufen, um die Wirkung eines erwarteten Rückgangs zu begrenzen, ohne seine Aktien zu verkaufen.
- Bestimme die Trendrichtung, bevor du dich für long oder short entscheidest.
- Setze deinen Stop auf die richtige Seite: unter den Einstieg bei long, darüber bei short.
- Berechne deine Positionsgröße in beiden Fällen auf dieselbe Weise.
- Prüfe die Finanzierungskosten, wenn du die Position mehrere Tage halten willst.
Prüfe, ob du es verstanden hast
0 / 3Bildungsinhalt, keine Anlageberatung. Trading mit Hebel birgt ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren: Die Mehrheit der Privatanlegerkonten verliert mit diesen Produkten Geld.